Heurig.at
Eine Heurigen-Suchmaschine für Niederösterreich, Wien und die Steiermark
Heurig.at ist wahrscheinlich das Projekt, das mein Masterstudium an der USTP geprägt hat wie kein zweites. Angefangen hat alles mit der Idee von Andreas Babic, eine zuverlässige Heurigensuchmaschine zu bauen. Gemeinsam mit Malek Morad fand sich schnell ein Team zusammen: drei motivierte Entwickler, die neben der Leidenschaft für Brettljausn das Ziel teilten, etwas zu schaffen, das Nutzer:innen wirklich einen Mehrwert bringt. Seit 2023 haben wir unzählige Entscheidungen getroffen, noch mehr davon wieder verworfen und – wie es sich für ein lehrreiches Projekt gehört – die komplette Codebase einmal neu geschrieben. Geblieben sind viele lehrreiche Stunden, jede Menge Erfahrung und eine gute Freundschaft.
Das Problem Wie finde ich Heurigen in meiner Umgebung?
Heurigen sind saisonal und regional verstreut, und ihre Daten liegen in den unterschiedlichsten Quellen: vom Heurigenkalender auf Papier über schlecht formatierte Listen lokaler Tourismusverbände bis hin zu eigenen Websites – manchmal gibt es nur einen Aushang am Hoftor. Die Heurigen in der eigenen Umgebung kennt man vielleicht noch. Sobald es aber darum geht, neue zu entdecken oder schnell herauszufinden, wer gerade ausgesteckt hat, steht man an. Gerade Öffnungszeiten fehlen häufig ganz oder sind längst veraltet.
Da liegt eine Plattform nahe, auf der sich alle Heurigen der Umgebung übersichtlich aufbereitet finden lassen. Neben den frei verfügbaren Daten aus dem Internet setzen wir dabei vor allem auf Community-Funktionen: Wer seinen Lieblingsheurigen unterstützen will, kann Informationen und Öffnungszeiten selbst aktualisieren und so den Betrieben unter die Arme greifen, wenn dort die Zeit für eine ordentliche Onlinepräsenz fehlt.
Die Lösung Analysieren, was besser werden muss
Um eine Plattform zu schaffen, die wirklich einen Mehrwert bringt, muss man zuerst wissen, woran es bisher scheitert. Wir haben also alle bestehenden Systeme und Websites durchforstet und geschaut, was wir besser machen wollen. Der Fokus fiel dabei auf aktuelle und vollständige Daten, ein intuitives UI und die Möglichkeit, selbst beizutragen.
Nach dem ersten Brainstorming habe ich mit Wireframes und Mockups ein erstes Gefühl dafür geschaffen, wie die Plattform später aussehen kann. Das hat sich als sehr hilfreich erwiesen, weil man schnell sieht, welche Features Sinn ergeben und welche noch fehlen. Gerade in diesen Schritt floss viel Zeit in Feedbackschleifen und das Einarbeiten neuer Ideen – unser Ziel war eine so intuitive Benutzeroberfläche wie möglich.
Als die erste Designphase abgeschlossen war, ging es an die technische Umsetzung. Wir haben uns für ein klassisches Frontend-Backend-Setup entschieden. Das Backend basiert auf NestJS; hier lag der Fokus darauf, mit TypeScript und TypeORM eine klare Struktur zu schaffen, denn ein sauberes Datenmodell ist der Ausgangspunkt jeder erfolgreichen Anwendung. Genau deshalb ging die Entwicklung an dieser Stelle auch zügig voran.
Im Frontend haben wir zunächst auf Ionic und Angular gesetzt, weil wir uns offenhalten wollten, Heurig.at später auch als native App zu veröffentlichen. Nachdem viele Arbeitsstunden in die erste Version geflossen waren, mussten wir allerdings feststellen, dass Ionic mehr und mehr zum limitierenden Faktor wurde: Die Performance litt, wir waren auf vordefinierte Komponenten angewiesen, und bei allem, was darüber hinausging, war nie sicher, ob es auf allen Plattformen funktioniert. Zu viel Zeit floss in die Native-Tauglichkeit und bremste die Entwicklung neuer Features. Um schneller voranzukommen, haben wir das Projekt von Grund auf neu aufgerollt und als Standalone-Angular-App mit Server-Side Rendering umgesetzt. Dieser Wechsel erwies sich schnell als richtige Entscheidung: Vor allem die Ladezeiten sprachen für sich, aber auch die Entwicklungszeit ließ sich spürbar verkürzen.
Mein Fokus lag vor allem auf der Kartenlösung mit Leaflet, weil ich hier die meiste Expertise im Team hatte. Bei einer interaktiven Plattform, mit der man Heurigen in der Umgebung sucht, ist eine ansprechende Karte ein zentraler Bestandteil. Daneben lag mein Augenmerk auf konsistentem Styling: Ich habe auf SCSS mit vordefinierten Variablen und Mixins gesetzt, die es auch allen anderen im Team leichter machen, ein einheitliches Look and Feel zu halten.
Die Suche ist eine Eigenentwicklung. Mit ElasticSearch haben wir geliebäugelt und es wieder verworfen: Unser Datensatz ist überschaubar, die Abfragen sind eng umrissen (Name, Ort, Region), und das Hosting kostet jeden Monat Geld. Stattdessen läuft im Hintergrund eine Trie-basierte Autovervollständigung in PHP, die auf vorgelagerten Indizes über Heurigennamen, Orte und Schlagwörter arbeitet. Sie liegt auf demselben Server wie die Website, ist deterministisch und in fünfzig Codezeilen erklärt. Sobald wir Volltextsuche über lange Beschreibungen brauchen, denken wir neu darüber nach.
Neben der eigentlichen Entwicklung haben wir uns auch um einen ordentlichen Deployment-Workflow gekümmert: Code aus dem Main-Branch wird über GitHub Actions gebaut und als Docker-Container auf einem eigenen Server deployt. Damit bleibt die Skalierung flexibel, falls das Projekt wächst.
Creative Pre-Incubator Heurig.at als Business?
Im Zuge unseres Masterstudiums kam die Idee auf, Heurig.at einmal als Business zu probieren. Ziel war eine Förderung im Rahmen des Creative Pre-Incubators. Dafür haben wir in vielen Stunden einen Businessplan inklusive Monetarisierungsmodell erarbeitet. Das war für uns alle neu, und wir haben entsprechend viel über die wirtschaftlichen Aspekte gelernt, die es braucht, um ein solches Projekt gewinnbringend fortzuführen. Auch beim Creative Business Award des RIZ up haben wir unsere Idee eingereicht.
Im Laufe der Ausarbeitung zeigte sich allerdings schnell, dass eine Monetarisierung nicht nur schwierig werden würde, sondern sich auch nicht mit unserer ursprünglichen Idee vereinbaren lässt. Heurig.at ist aus der Leidenschaft am Entwickeln entstanden und aus dem Wunsch, etwas zu schaffen, von dem alle profitieren – wir wollten Ideen ohne Druck ausprobieren. Deshalb haben wir die Businessidee hinter Heurig.at nicht weiterverfolgt und uns stattdessen wieder mehr Zeit für die eigentliche Entwicklung genommen. Einen Erfolg hatten unsere Bemühungen aber doch: Beim Creative Business Award kamen wir in die letzte Runde und konnten den Preis für den besten Pitch gewinnen.
Learning Von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen
Gerade bei einem so umfangreichen Projekt wie Heurig.at gibt es viele Ups and Downs. Gute Ideen müssen verworfen und bereits entwickelte Lösungen neu gedacht werden. Trotzdem bin ich am Ende stolz, so viel Zeit hineingesteckt zu haben, weil wir gemeinsam viel Neues lernen konnten – vor allem, was es heißt, als Team über lange Zeit an einer Sache dranzubleiben. Wie wichtig dabei eine klare Struktur aus Sprints, regelmäßigen Updates und Meilensteinen ist, um den Faden und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, war eine der größten Erkenntnisse.
Dazu kommt: Manchmal muss man technische Entscheidungen hinterfragen, auch wenn das zusätzlichen Aufwand bedeutet – am Ende lohnt es sich trotzdem. Technisch haben uns dabei besonders Leaflet und Angular SSR die eine oder andere Stunde gekostet.